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05.10.21, 21:05-22:00 DLF    
Jazz Live
Unterkühltes Rhythmusfeuer -
Arthur Hnatek Trio Static beim 32. Schaffhauser Jazzfestival

Schaffhausen 2017: ein Highlight, wenn nicht der Gipfel des ganzen Festivals - das Trio des jungen Pianisten Florian Favre (nicht verwandt mit dem gleichnamigen Drummer Pierre). Auch wegen des Bandleaders, ja, aber vor allem wegen eines Hipsters in Spießer-Strickjacke am Schlagzeug, Arthur Hnatek, damals 27, aus Genf.
Auf das, was da auf kurzem Wege aus den Handgelenken kam: Akzentverschiebungen, hoch auflösende Grooves, kurzum „metric modulation“ ohne Ende, konnte man seit dem Jazzfest Berlin 2015 vorbereitet sein.
Da loderte hinter dem Pianisten Tigran Hamasyan ein ähnliches Rhythmusfeuer.
Schaffhausen 2021: Arthur Hnatek ist nun mit eigener Band auf der „Werkschau des Schweizer Jazz“, als das sich das Festival zutreffend versteht - mit dem Trio Static.
Der Name ist kein Zufall, er ist Programm. Obwohl ausgestattet (fast) wie ein klassisches Saxofon-Trio, folgt es nur bedingt einer Jazzästhetik, dynamische Zuspitzungen beispielsweise sind ihm fremd.
Arthur Hnatek, Sohn eines Musikinstrumentehändlers aus Genf, in New York Schüler u.a. von Jim Black und Nate Wood, versteht sich ausdrücklich als Teil der Schweizer Trommler-Tradition - aber er klingt nicht danach.
Seine rhythmischen Referenzen liegen woanders, im Techno-Bereich, bei Nicht-Schlagzeugern, bei Aphex Twin oder Squarepusher.
Und, er verehrt er Jaki Liebezeit (1938-2017), aber nicht den FreeJazz-Drummer, sondern den Jaki mit Can oder noch später.
Static vertritt einen Jazzrock neuer Art; melodisch-harmonisch passiert nicht viel, dafür umso mehr im Rhythmischen.

Francesco Geminiani - ts, electronics, Fabien Iannone - b, electronics, Arthur Hnatek - dr
Aufnahme vom 26. Mai 2021 aus dem Kulturzentrum Kammgarn, Schaffhausen/CH

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